Radius: 10 km

1. Aachener Street Food Event

Gleich vorweg: Es liegt mir fern, ein Event tot zu sagen, das gerade erst erstmalig stattgefunden hat, aber das erste Aachener Streetfood-Event hat noch viel Luft nach oben - und ja, auch im Sinne von Potenzial!

Hurra! Auch Aachen hat die Streetfood-Welle letztes Wochenende erreicht: auf dem Bendplatz (einem großen Mehrzweckplatz knapp vor den Stadttoren Aachens) parkten diverse Trucks mit vielen Leckereien, die alle eins gemeinsam haben: die Essbarkeit "auf die Faust".

Ich habe mir das aus der Nähe angesehen und seitdem drei Tage die Stirn gerunzelt und versucht, mit Hilfe anderer Meinungen herauszufinden, woran es da nun eigentlich gehapert hat, denn ein Erfolg war das auf beiden Seiten der Theke wohl nicht.
Auf Facebook finden sich viele verärgerte und wenige positive Kommentare, es werden die Langsamkeit der Anbieter, die Länge der Schlangen und die Preise gerügt, aber grundsätzlich sind sich doch alle einig: es hätte super werden können, wenn...

Aber nun mal ganz konkret - und subjektiv:
Mein erster Besuchsversuch fand Samstag statt. Samstag gab es für Aachen eine Unwetterwarnung und so beschlossen wir, erst um 16 Uhr dort aufzutauchen, obwohl offiziell schon um 12 Uhr Eröffnung war. Auf der Facebookseite fand sich um 11:46 Uhr ein Hinweis, dass die Eröffnung auf 14 Uhr verschoben werden müsse. Um 15:18 Uhr dann wurde mitgeteilt, dass das Event den ganzen Samstag ausfallen würde. Leider habe ich das nicht mehr rechtzeitig bis 16 Uhr gelesen und sah schon von weitem die verrammelten Buden. Okay, mein Fehler, aber....

Sonntag dann der zweite Versuch um 16:15 Uhr.
Besser.

flairDie von der Stadtseite aus hinterste Ecke des Bendplatzes (vorne parkten ja die Besucherautos und die "Reste" der Fahrgeschäfte des letzten Bends) schien schon von weitem wesentlich belebter. Allerdings hörte man nichts. Kein Eventcharakter - schon gar nicht ein Streetevent, was ja normalerweise von Musik und den "Bunten Ballons" lebt. Provisorische Gitterzäune, ein Container, in dem man Abreisskarten kaufen konnte, die man 40cm weiter sofort wieder abgenommen und durch einen Stempel auf die Hand ersetzt bekam. Strange: da, wo man ankommt und die Atmosphäre aufsaugen will, wird man erstmal mit Geben, Nehmen und Stempeln abgefertigt. So ist nicht wirklich eine Orientierung möglich - und hinter dem Ticketcontainer stand man dann erstmal und guckte.

Der Aufbau der Trucks, Pavillons und Zelte folgte der Asphaltierung des Platzes, rechts hatte irgendwer Liegestühle auf den Kies gestellt und vor uns stand ein großer Kaffeebecher, der Kaffee verkaufte. Ein wenig war es für mich wie für Alice, nachdem sie in den Kaninchenbau gestolpert war. ;-)

Und dann waren da Menschen. Viele Menschen. Menschen, die ich kannte, und die mir zuriefen, was sie hier und dort gegessen hätten. Es war etwas los. Nahezu überall gab es Schlangen vor den Ständen, die natürlich quer zur eigentlichen Laufrichtung standen. Logisch - geht ja auch nicht anders.

Ein Problem war allerdings, dass nicht alle Stände selbsterklärend beschriftet waren - liebevolle Standnamen wie "Fräulein Sahne" machen zwar neugierig auf das Angebot in ihrem niedlichen kleinen Wohnwagen, führen aber zu Pulkbildung vor den Din-A4-Zetteln mit ihrem Angebot. Genau so, wie die anderthalb Zentimeter großen Schildchen (!) zu Füßen der Bain-Maries in einem der afrikanischen Stände.afrika

Wisst Ihr was: ein kleines Faltblatt mit einer Ausstellerliste und einem Satz zur jeweiligen Spezialität der Stände wäre genial gewesen und hätte wahrscheinlich sogar über den etwas lieblosen Einlass hinweggetröstet - man hätte ja was in der Hand gehabt, was angesichts der 3 Euro Eintrittspreis bestimmt auch noch möglich gewesen wäre. So teuer wäre das ja nicht.

Wir haben an diesem Tag viele neue und neugierige Menschen kennengelernt. Vor uns und hinter uns in den diversen Schlangen. Keiner war wirklich sauer über Wartezeiten. Allen war klar, dass man Streetfood auf keinen Fall mit Fastfood verwechseln darf. Allerdings - und da spreche ich die Betreiber der Stände gerne direkt an - liebe Leute, wir haben im Nieselregen in Schlangen teilweise 20 Minuten gewartet und auch, wenn Euer Anspruch an Eure Dekokünste natürlich hoch ist, reißt auch dem hungrigsten
gyozaBesucher der Geduldsfaden, wenn die Dame am Gyoza-/Dim-Sum-Stand allzu zen-mäßig an die Sache herangeht. Die vier Kunden hinter mir wären ohne meinen Hinweis, dass es anderswo gerade auch sehr lange dauert mit ihren ungeduldigen und nassen Hunden weitergezogen.

Tut mir leid, aber das ist die Wahrheit: Euch ist bestimmt reichlich Umsatz dadurch verloren gegangen, dass Ihr teilweise (unter Eurem Zelt) nicht bereit wart, Euch an das Wetter der Wartenden (außerhalb des Zeltes) anzupassen. Das war nun mal nicht gut - und da kann keiner etwas für.
Ich selber brach einen Versuch, an frittierte Yams zu kommen, entnervt ab, weil fünf Damen lieber in ihren Töpfen rührten und ständig Essen nachlegten, statt den ersten Wartenden zu bedienen; und eigentlich verstehe ich normalerweise, warum ich an einem Stand mit frischem Essen auch schon mal warten muss.

Das Essen war lecker, kreativ und Hummer vom Grill "am Straßenrand" anzubieten ist faszinierend. Es wurde geräuchert, geburgert und Eiskaffee mit frischem Gebäck gereicht. Zu angemessenen Preisen. Ja, angemessen. 9 Euro für einen Burger sind nicht zu viel, wenn man den hohen Anspruch der Gastronomen an Fleischqualität & Co. sieht. Dass Herr Alwin F. aus AC mal wieder mit seinen Reibekuchen und Frittenbuden viele Stellplätze belegte, hat mir persönlich etwas die Laune verhagelt, denn der Geruch seiner Stände alleine zieht dieses Event sofort auf Bend-Niveau. Damit tut man den anderen Ausstellern keinen Gefallen, aber wahrscheinlich mussten die Veranstalter ja auch irgendwoher ihre Teilnehmer für diesen Erstling bekommen. Mir fehlte da mehr ein Original wie z.B. Udo's Eis mit seinem Eiskarren oder ein Ristorante Toscana, das auf dem Aachener Weihnachtsmarkt diese herrlichen gefüllten Zucchiniblüten verkauft - oder Delikatessen Dorn, die im Niveau eben nicht auf Jahrmarkts-Fastfood-Ebene sind.


gyoza2eiskaffee
 

Eiskaffee, Eisschokolade und zweimal handgemachtes italienisches Mandelgebäck für 13,- Euro

Achja: die oft bemängelten Portionsgrößen. Natürlich geht man nicht satt auf so ein Event. Man geht hungrig und neugierig dahin, um eine möglichst große Vielfalt kennenzulernen. Dass nach dem Burger für 9 Euro für viele weder finanziell noch magentechnisch allzu viel weiteres drin ist, ist schade. Allerdings ist natürlich auch der Aufwand für die Stände bei kleinen Probierportiönchen genauso groß, weshalb sie natürlich lieber gerne große Burger für volle 9 Euro verkaufen möchten. Ist so. Ist aber immer noch schade. Den halben gegrillten Hummer für 20 Euro muss man sich leisten wollen. Satt macht der nicht. ;-)
Warum bei dem Event der Insektenkoch auf Bannern im Vordergrund steht, erschließt sich mir nicht. Mich hätte die Safran-Pute im Fladenbrot weit mehr gereizt - aber die war schon ausverkauft. Oder die Jungs mit ihrem rollenden Smoker - aber die packten ja Sonntag schon um 17 Uhr ausverkauft zusammen - und das bei einem komplett außerplanmäßig geschlossenem Samstag und offiziellen Öffnungszeiten bis 22 Uhr. :-(


Platz_kleinAlles in allem freue ich mich wirklich auf das zweite Aachener Street Food Event Ende August. Ich hoffe, dann hat der (bis dato wahrscheinlich ortsfremde) Veranstalter gemerkt, dass sich das in anderen Städten erfolgreiche Konzept nicht einfach so auf den schmucklosen Aachener Platz der Vorhölle übertragen lässt und vielleicht werden ein paar kleinere Platz-Inseln geschaffen (Platz wäre ja reichlich da), an denen man sich mit den Menschen, die sich von den verschiedenen Ständen ihr Essen geholt haben, austauschen kann. Dann sind vielleicht auch die Portionsgrößen weniger Thema, wenn man untereinander tauschen kann.

Wenn dann noch der enthusiastische Gitarrist dort spielt und kurz für seinen Stand werben darf, wird daraus vielleicht wirklich mal ein Event, bei dem dann auch der Regen nicht stört.

Uns von Aachen geht essen würde das freuen.

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden und Kollegen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.